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 BERICHTE
Abschlussbericht
Independence Day und letzter Schultag
Mayapur und Jaipur
Geschichten aus der Schule
TEDx Kundapur und Hochzeit
Nordindien-Trip, Teil 3
Nordindien-Trip, Teil 2
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Letzter Schultag vor den Ferien
Bombay
Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern
Ravi lernt seine indische Familie kennen
Schulausflug
Ein typischer Tag (3 Monatsbericht)
Wie lebt man eigentlich in...
Südindien-Trip
Tent School und Faber-Castell Kinderfonds
Die erste Woche im Projekt
Orientation Week
Durch den Monsun
Anreise
1 Woche bis Abflug
Vorbereitung in Deutschland

EIN TYPISCHER TAG (3 MONATSBERICHT)
 

Hallo, ein Vierteljahr ist jetzt vorbei und ich fuehle mich richtig wohl hier in Indien. Abgesehen von den etwas nervigen Stromausfaellen, gewoehnt man sich doch an das Leben hier sehr gut.

Fuer die deutsche Entsendeorganisation (ijgd) muss alle drei Monate ein Bericht angefertigt werden, wobei auch ein "typischer Tag" beschrieben werden soll. Hier ist ein Auszug aus dem Bericht.

Ich steige morgens in den Bus, oder einem der vielen Busse die hier fahren, nachdem ich mich 10 Minuten lang ueber eine kleine Strasse und den „Djungel“ vor unserer Haustuer nach Tallur gewunden habe und bin so gegen 9.45 in der Schule. Um 9.55 stehe ich dann stramm neben den Schuelern und Lehrern und hoere brav mir die Hymne Karnatakas an, wobei mein Blick ueber die Palmen und Schueler in ihrer blauen Uniform streift. Nach 5 weiteren Minuten „Klatsch und Tratscht“ beginnt dann meine erste Stunde in der vierten Klasse. „Good Morning Sir“ hoere ich von 22 Kindern und dann setze ich mich, mache die Anwesenheitsliste und dann geht es los. „Today is the...“ wir fangen an mit dem Datum und dem Wetter und wenden uns dann unserem Arbeitsbuch „Happy House“ zu, wobei wir die Lektion besprechen einige Uebungen machen und am Ende noch etwas singen. Mehrere Male, darf ich Vinay oder Abishek erklaeren, dass sie sich doch bitte hinsetzen sollen, oder dass es sich einfacher malt wenn man sich nicht zu sechst auf eine Bank quetscht. Dann nach 40 Minuten klingelt die Schulglocke, ich sammel die Materialien ein und ein lautes „Thank You“ der Schueler, mit begleitenem Klatschen, schliesst die Stunde ab. Schnell das Material fuer die 5. Klasse holen und weiter gehts. Nach 4 Stunden ist Mittagspause und ich lehne mich im Lehrerzimmer auf meinem Holzstuhl zurueck. „Uta Aithu?“ kommt 10 Minuten spaeter die Frage und ich trotte bereit etwas zu essen mit den anderen Lehrerinnen in den Klassenraum der achten Klasse, wo wir zusammen essen. Von draussen, hoere ich noch durchs Fenster, wie die Kinder ihr Gebet vor dem Essen singen und danach das Klappern von Aluminiumtellern. Um 2 Uhr geht der Unterricht dann weiter, wobei ich jetzt meine Freistunden geniesse und noch ein bisschen weiter entspannen darf. "Nur noch zwei Stunden" denke ich und davon auch noch ein PC Unterricht, dass geht schnell vorbei. Tut es auch, und ich freue mich, dass die Siebtklaessler es heute hinbekommen den Rhythmus, den ich an die Tafel geschrieben habe, von alleine zu klatschen. Ich muss laecheln und bin trotzdem nach der letzten Stunde gut geschafft. Wenn ich um 16.05 dann den Schulhof verlasse und mich auf den Weg nach Kundapur mache, dringt noch aus vielen Ecken ein „Bye Sir, see you tomorrow Sir“ und ich muss innerlich lachen und denke, dass Abishek und Vinay doch ganz in Ordnung sind.

Danach setze ich mich in den Bus und fahre nach Kundapur, wo ich jetzt noch eine Stunde Kannada Unterricht habe. Ich denke mir immer „von der Schule in die Schule“. Jetzt bin ich also dran mit wiederholen und stillsitzten. Der Unterricht ist ganz ok, oft schauen wir uns verdutzt an, weil mal wieder keine Logik hinter den Regeln steht, aber das ist nun mal so. Nach der Klasse noch schnell im lokalen Fitnessstudio vorbeigeschaut, wo an der Wand Bilder von Arnold Schwarzneger in seinen besten Jahren haengen und ein bisschen Sport nach dem vielen sitzen in der Schule ist echt angenehm. Etwas verschwitzt, setze ich mich jetzt noch ins „JK“ ,einem Restaurant mit Dachterrasse , wo sich die Freiwilligen immer Mittwochs treffen und berede was die letzten Tage so passiert ist. Um 9 Uhr faehrt dann der letzte Bus, den ich natuerlich wieder verpasst habe und ich teile mir mit zwei Leuten, darunter auch Thomas, mit dem ich zusammenwohne, eine Rikshaw ins Dorf wo wir wohnen. Zuhause noch kurz ein kurzes Gespraech mit der Familie ueber den Tag, Essen, duschen, e-mails checken mit unserem langsamen aber funktionierenden UMTS-Stick und dann ins Bett. Morgen ist Schule.