Sie sind hier: Berichte Geschichten aus der Schule  
 BERICHTE
Abschlussbericht
Independence Day und letzter Schultag
Mayapur und Jaipur
Geschichten aus der Schule
TEDx Kundapur und Hochzeit
Nordindien-Trip, Teil 3
Nordindien-Trip, Teil 2
Nordindien-Trip, Teil 1
Letzter Schultag vor den Ferien
Bombay
Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern
Ravi lernt seine indische Familie kennen
Schulausflug
Ein typischer Tag (3 Monatsbericht)
Wie lebt man eigentlich in...
Südindien-Trip
Tent School und Faber-Castell Kinderfonds
Die erste Woche im Projekt
Orientation Week
Durch den Monsun
Anreise
1 Woche bis Abflug
Vorbereitung in Deutschland

GESCHICHTEN AUS DER SCHULE
 

In der Schule hat sich nach Beginn des neuen Schuljahres nicht viel, aber ein bisschen verändert. Das Lehrerzimmer wurde mal ausgemistet und ein neuer Stundenplan wurde erstellt. Das ganze hat sage und schreibe ca. drei Wochen gedauert; also bis der Stundeplan halbwegs fertig war. In Indien wird einiges halt eher "slowly, slowly" angegangen.

Dafür gab es ein paar Tage später aber mal etwas Aufregung, weil sich eine wirklich große Schlange (ich habe sie auf 4 Meter Länge und 10 cm Durchmesser geschätzt) unterhalb des Dachfürsten von Lehrerzimmer zu Klassenzimmer schlängelte. Ich weiß gar nicht mehr wer mehr Schiss hatte, die jungen Lehrerinnen oder die Schüler. Die Schüler konnte man jedenfalls mehr damit erschrecken... Der Sportlehrer und ich haben die Schlange dann mit einer Art Riesenspeer so lange gepickst bis sie den Rückzug antrat, unter ständigem Gegrölle der Schüler bei jeder schnellen Zuckung der Schlange.

Weiterhin ist mir auch aufgefallen, dass wir einige neue Schüler/innen haben, die neu hinzugezogen sind, bzw. wo die Familien jetzt in einer Zeltsiedlung in der Nähe von der Schule wohnen. Eine Schülerin, sehr nett aber ruhig, der 6. Klasse fiel mir besonders auf, da sie immer ihre vier Jahre alte Schwester mit in die Schule bringt. Darauf hin sprach ich eine Woche später unsere Schulleiterin an, warum das der Fall ist, und sie erklärte mir, dass der Vater Alkoholiker sei und die Mutter psychisch nicht ganz klar im Kopf ist. Sie ist somit größtenteils verantwortlich für ihre Schwester. Traurig, tapfer und bewundernswert. Am meisten mitgenommen hat mich dann jedoch als letzte Woche Montag, also nach dem Wochenende, die Schülerin von ihren Klassenkameraden ins Lehrerzimmer gebracht wurde, da sie fast umgekippt wäre. In einem schnellen hin und her, wo ich nicht gleich verstand worum es geht, wurde langsam klar, dass die Schülerin seit der Samstags Mittags Schulmahlzeit nichts mehr gegessen hatte. Die Lehrerinnen krammten ein paar Bananen und Idli heraus, aber sie war nicht in der Lage auch nur irgendwas zu essen, da sie völlig aufgelöst und am zittern war. Langsam kam dann auch heraus, das sie den ganzen Sonntag hatte arbeiten müssen.

Ich möchte damit nicht dramatisieren. Man gewöhnt sich daran oder kann damit umgehen, dass einige Schüler nicht unbedingt einen Bleistift haben, in wirklich alten Schuluniformen rumrennen, oder viel in der Familie mithelfen müssen, aber eine der eigenen Schüler vor Hunger umkippen zu sehen war dann selbst nach 10 Monaten im dörflichen Indien auch verdammt hart für mich. Nach zwei Tagen war sie wieder in der Schule, samt kleiner Schwester, und wirkte einfach wie ein lebensfrohes, tapferes, wenn auch jetzt etwas schüchterneres Kind. Was weiter passieren wird weiß ich auch nicht, laut Schulleiterin wird sie aber ab jetzt weiterhin regelmäßig zur Schule kommen.

Noch etwas positives und erfreuliches zum Schluss. Letztens wurden sowas wie Schul-und Klassensprecher gewählt und was das schöne war: wirklich sehr demokratisch! Weiterhin war auch der Zauberer bei uns in der Schule und in der guten Stunde, wo er in der kleinen Aula seine Tricks vorführte, wirkte alles wie in einem kleinen Märchen. Der Zauberonkel zauberte, die Kinder kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus, hatten eine Menge Spaß (ich übrigens auch) und alles war irgendwie für kurze Zeit wie vergessen.


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