Sie sind hier: Berichte Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern  
 BERICHTE
Abschlussbericht
Independence Day und letzter Schultag
Mayapur und Jaipur
Geschichten aus der Schule
TEDx Kundapur und Hochzeit
Nordindien-Trip, Teil 3
Nordindien-Trip, Teil 2
Nordindien-Trip, Teil 1
Letzter Schultag vor den Ferien
Bombay
Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern
Ravi lernt seine indische Familie kennen
Schulausflug
Ein typischer Tag (3 Monatsbericht)
Wie lebt man eigentlich in...
Südindien-Trip
Tent School und Faber-Castell Kinderfonds
Die erste Woche im Projekt
Orientation Week
Durch den Monsun
Anreise
1 Woche bis Abflug
Vorbereitung in Deutschland

NEUES ZIMMER-NEUES FAHRRAD-NEUE ART ZU FEIERN
 

Hallo aus Indien! Was gibt es neues zu berichten? In der Schule geht zur Zeit alles eigentlich seinen gewohnten Gang. Unterrichten wird auch einfacher und ich merke auch wie schön sich zum Beispiel elegante Tafelbilder eignen, um eine Unterrichtsstunde zu füllen. (Ich sag euch, darum mussten wir früher in der Schule so viel malen! Ist angenehm für den Lehrer) Ich habe jetzt auch ein kleines Keyboard gekauft und bin somit selbst ernannter Chorleiter der siebten und achten Klasse. Das ganze macht den Kindern und mir ziemlich viel Spaß würde ich sagen. Am 26. Januar gab es dann, auf Grund des indischen Nationalfeiertages, ein bisschen Abwechslung und eine kleine Zeremonie. Nach dem Singen der Nationalhymne, und Süßigkeiten für alle, war der Tag dann aber auch vorbei. Vor zwei Tagen gab es jetzt für alle Schüler der achten Klasse ein neues Fahrrad. Gesponsert von der Regierung. Dieses Geschenk soll die Schüler dazu anregen, nach Abschluss der siebten Klasse, also der Grundschule (Primary School Education) weiter zur Schule zu gehen und die High School zu besuchen. Medientechnisch für das ganze Dorf gut inszeniert, sollte, wollte und musste jeder dann natürlich auch aufs Foto. Somit kann jetzt auch keiner behaupten, die Schulleiterin hätte die Fahrräder selber wieder verkauft oder sie wären nie angekommen...




 

Ein weiterer Punkt ist, dass wir umgezogen sind. Aus dem kleinen Tallur ins etwas größere Kundapur. Grund dafür waren "unüberwindliche Differenzen" mit der Gastfamilie, um mal ganz diplomatisch zu bleiben. Nach großartiger Unterstützung unserer Organisation in Indien (Ich hoffe man hört die Ironie) hat es dann auch nur drei Wochen gedauert. Viele endlose, sinnlose und nervenaufreibende Gespräche führten schließlich zu einer guten Lösung. Unser neues Zimmer, um das sich Thomas und ich selber gekümmert haben und somit jetzt jedes freie Zimmer in Kundapur kennen, ist im Vergleich zu vorher jedoch ein Palast! Ich konnte sogar die ersten drei Nächte nicht richtig schlafen vor Freude. Es klingt vielleicht komisch, aber wenn man sich vorher so extrem anpasst, merkt man erst wie schön ein normales, sauberes Zimmer sein kann. Ein anderer Vorteil liegt darin, dass wir jetzt sogar Abends recht konstant Strom haben und nicht mehr eine halbe Stunde entfernt von der Zivilisation wohnen. Aus der Dunkelheit des Dorfes ins Licht der Kleinstadt.




 

Das neue Zimmer musste natürlich dann gefeiert werden. Also hatten wir beschlossen nochmal für ein Wochenende nach Goa zu fahren. Auch wenn das Essen ungefähr drei mal so teuer ist als sonst, lohnt sich so ein Trip in den westlicher geprägten Nachbarbundesstaat. Am Samstag waren wir dann, nach ein bisschen Kajak fahren und schwimmen, auf einer "Headphone-Party", die auch ganz gut anfing. Der Flyer, der das Ende der Party für 4 Uhr ankündigte, klang schon für Indien sehr verdächtig. Und so kam es auch, dass die Feier mal wieder frühzeitig von der Polizei aufgelöst wurde. Dass da so viele Leute ohne sie Spaß haben, gefällt den Polizisten hier irgendwie immer gar nicht, und dass sie niemand einlädt mitzufeiern wahrscheinlich noch weniger. Ich fand das aber wieder mal gar nicht so witzig, weil uns das gleich vor zwei Wochen schon mal passiert war. Diese Unausgeglichenheit und Willkür ist teilweise auch das Schwierige an Indien, nicht nur im Bezug aufs Feiern. Entweder alles ist wunderschön und macht Spaß, oder man verflucht Indien und will sofort weg, ein Mittelweg ist selten. Letztens hat mir ein Inder beschrieben, wie er das ganze oft sieht: "In India everything goes, but not much works."