Sie sind hier: Berichte Nordindien-Trip, Teil 2  
 BERICHTE
Abschlussbericht
Independence Day und letzter Schultag
Mayapur und Jaipur
Geschichten aus der Schule
TEDx Kundapur und Hochzeit
Nordindien-Trip, Teil 3
Nordindien-Trip, Teil 2
Nordindien-Trip, Teil 1
Letzter Schultag vor den Ferien
Bombay
Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern
Ravi lernt seine indische Familie kennen
Schulausflug
Ein typischer Tag (3 Monatsbericht)
Wie lebt man eigentlich in...
Südindien-Trip
Tent School und Faber-Castell Kinderfonds
Die erste Woche im Projekt
Orientation Week
Durch den Monsun
Anreise
1 Woche bis Abflug
Vorbereitung in Deutschland

NORDINDIEN-TRIP, TEIL 2
 

Sechste Station
Varanasi, Uttar Pradesh (3 Tage)


Nach der etwas längeren Zugfahrt sind wir nun in Varanasi angekommen.
Es ist eine der heiligsten und ältesten Städte des Hinduismus und Pilgerer aus ganz Indien kommen hier her. Varanasi liegt direkt am Ganges und ist täglich Schauplatz für große und aufwendige Pujazeremonien. Die am Wasser gelegenen "Ghats" sind dabei der Mittelpunkt und ein Bad in "Mutter Ganges" bringt angeblich auch die Erlösung aus dem Reinkarnationzyklus.

Interessant ist, stellen wir fest, wie viele Lassi-Läden es in Varanasi gibt. Von Mango,-Bananen-oder Sweet Lassi bis zum Bhang-Lassi, ist alles dabei was der Yoghurtaffine-Tourist braucht. Wir haben die Theorie aufgestellt, dass je heiliger die Stadt, desto mehr Kühe und daher mehr Milch der Schlüssel für das reichliche Angebot sein muss. Abgesehen vom spirituellen Teil ist es sonst eine normale indische Stadt mit Temperaturen von bis zu 45,2 Grad zur Zeit und Rikshafahrern, für die die Gegenfahrbahn als Überholspur dient. Das ist dann eigentlich auch ganz spannend und nicht beängstigend, solange wenigstens laute Bollywoodmusik aus den Lautsprechern der Riksha dringt und man denkt, man wäre Teil eines indischen Autorennspiels. Juhuu und Hare Rama, ich lebe noch!

Siebte Station Agra, Uttar Pradesh (1 Tag)

Kommen wir jetzt zu Agra, einem Reisestop auf unserer Route, den man eher mit einem "Pflichtfreundschaftsspiel" vergleichen kann. Denn außer dem Taj Mahal und Agra Fort, bei dem die Eintrittspreise für Touristen übrigens gut überzogen sind (Beispiel Eintritt für Inder: 20 Rupien (30 Cent) Eintritt für Ausländer 750 Rupien (15 Euro) und ich mich als Inder durchmogeln muss, gibt es dann nicht mehr viel in Agra zu sehen. Wenn man also nicht direkt vor einer dieser Bauten steht, könnte man denken, man wäre in einer normalen, nicht gerade hübschen, indischen Kleinstadt. Weiter gehts nach
Haridwar...

Achte Station
Haridwar, Uttrakhand (1Tag)


Haridwar wirkt wie ein großes, heiliges und spektakuläres Freibad! Wow!
Die am Ganges gelegene Stadt ist voll mit Pilgern, Devotees, allerlei
Gurus und Chillum rauchenden Sadus. Tempel zieren das Ganges-Ufer in
allen verschiedenen Farben. Wirklich interessant und funky was hier alles so passiert und rumläuft. Jetzt aber lieber doch weiter sonst lassen mich die Devotees nicht mehr gehen. Riksha to Rishekesh?! How much Bahia? Ok i think take the bus.

Neunte Station
Rishikesh, Uttrakhand (3 Tage)

"Welcome to the world capital of yoga!" Nachdem die Beatles hier 1968
einige Zeit im Ashram verbrachten und ihr "White Album" später
veröffentlichten, ist Rishikesh jetzt vor allem Pilgerort für ein
Haufen ausländischer Touristen mit spirituellem Knax. Wie in Goa gibt
es einen außerdem eine Menge hübsche Hippirestaurants, und
Souvenirshops mit allerlei Krimskrams. Die Lage am Ganges, der noch
relativ sauber hier ist, und die bewaldeten grünen Berge, verleihen
diesem Ort was wirklich entspanntes. Am dritten Tag unternehmen wir
eine Raftingtour auf dem Ganges, mit Stromschnellen der Kategorie 3+.
Echt ein schöner Ort hier.

Interessant zu beobachten ist für mich immer der Versuch vieler "weißer"
Touristen, indischer wirken zu wollen, als die Inder. Dann überlege ich immer, ob ich mich nicht auch so anziehen sollte, so wegen Inder sein und so. Aber dazu kurz eine Beschreibung, was ca. 95% aller indischen Männer tragen: Baumwollhose- und Hemd, beide ordentlich und gebügelt. Dazu meistens Anzugschuhe oder etwas lustig wirkende Sportschuhe. Goldene Kette und Ehering. Stift in der Brusttasche. Optional ein Taschentuch.

Aber Skandal, die "weißen Inder" tragen ja gar nicht so etwas, sondern geraffte Schlabberhosen (die sind doch aber eigentlich für Frauen!), T-Shirts mit Omzeichen, ein Haufen Holzketten, oder Baumwolltaschen (ok zugegeben manche tragen hier auch Teesiebe vor den Augen, aber das ist eine andere Geschichte). Alles Relikte des alten Indiens, wovon sich Inder jetzt selbst eher distanzieren. Man wird doch modern! Ich bin leicht verwirrt. Ich glaube, ich muss da mal meinen Vater fragen, ob und was ich hier falsch mache.


Zehnte Station
Chandighar, Punjab und Haryana (2 Tage)


Noch nie habe ich mich in einer indischen Stadt so fremd gefühlt. Ich spürte echt eine innerliche leere in der von Le Cobussier geplanten Stadt. Alles in dieser Stadt ist in quadratische "Sektoren" unterteilt, was dem Ganzen eine halbwegs durchdachte, dennoch seelenlose Atmosphäre verleiht. Es ist sauberer, organisierter, freiflächiger und logischer! Aber gerade diese Logik wirkt für mich, mit Indien im Hintergrund, irgendwie total aufgesetzt. Da helfen auch die riesigen angelegten Straßen mit akkuraten kleinen Gärten auf den Kreisverkehrsinseln nicht. Sie tragen auch dazu bei. Wir besichtigen den "High Court" von Punjab, ohne zu wissen, dass man eigentlich eine Erlaubnis dafür braucht ("You have to go to Sector 9 to get permission..."), aber nach fünf Minuten mehr oder eher weniger überzeugendem Gelabere, gibt der Wachmann dann doch leicht genervt nach. Danach noch in den "Rock Garden" der praktischer Weise auch in "Sector 1" ist und dann verlassen wir diese seltsame Stadt, nach einer Nacht am Busbahnhof, am nächsten morgen. Es geht nach Shimla.

Bilder Teil 2