Sie sind hier: Berichte Nordindien-Trip, Teil 3  
 BERICHTE
Abschlussbericht
Independence Day und letzter Schultag
Mayapur und Jaipur
Geschichten aus der Schule
TEDx Kundapur und Hochzeit
Nordindien-Trip, Teil 3
Nordindien-Trip, Teil 2
Nordindien-Trip, Teil 1
Letzter Schultag vor den Ferien
Bombay
Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern
Ravi lernt seine indische Familie kennen
Schulausflug
Ein typischer Tag (3 Monatsbericht)
Wie lebt man eigentlich in...
Südindien-Trip
Tent School und Faber-Castell Kinderfonds
Die erste Woche im Projekt
Orientation Week
Durch den Monsun
Anreise
1 Woche bis Abflug
Vorbereitung in Deutschland

NORDINDIEN-TRIP, TEIL 3
 

Elfte Station
Shimla, Himachal Pradesh (5 Tage)

Ich bin gerade lebend in der Hill-Station Shimla angekommen! Was eine
ruhige Fahrt die Berge hoch werden können, entwickelte sich zu einer
Achterbahnfahrt durch die Serpentinen. Die Reifen, des fast
schrottreifen Busses quietschten unaufhörlich, die ersten Passagiere
kotzten aus dem Fenster, aber unserem Sikh-Busfahrer, der noch das
Blut eines Kriegervolkes in sich trägt, war keine Kurve zu eng. Seinen
blauen Turban hatte er noch vorzeitig festgebunden, sodass dieser nur
so in den Kurven hin und her wippte. Nach fünf Stunden und vier fast
Zusammenstößen mit entgegenkommenden Benzintanklastern erreichten wir
völlig fertig endlich Shimla.

Shimla: ehemaliger Sommersitz von British-India, Drehort des
letztjährig erfolgreichsten Bollywoodfilms "3 Idiots", der Harz für
alle Hitzegestressten aus Delhi und Flitterwochenparadis der Inder.
Mit einer richtigen Fußgängerzone, ohne ständiges Gehupe, einem
großen, sehr sauberen und gepflegten Hauptplatz, einem Haufen
Restaurants und Fastfoodläden. Und das alles bei angenehmen, fast
kühlen, 15-25 Grad auf guten 2000 Metern, mit den in den Wolken
verborgenen, Bergketten des Himalaya. Viel mehr gibts da auch nicht zu
berichten, außer dass das Nichts machen mit minimalem Sightseeing,
nach jetzt über einem Monat reisen, hier sehr entspannend ist.

Zwölfte Station
Dharamsala & Mcleod Ganj, Himachal Pradesh (3 Tage)


Irgendwie hatte ich schon in den letzten Tagen immer so ein Bauchgrummeln und keine Appetit, aber das musste sich natürlich erst auf der Nachtfahrt im Bus nach Dharamsala so richtig bemerkbar machen. Also kurz gesagt: Die Fahrt war eine reine Qual, bei der ich, sobald der Bus mal Nachts hielt, aus dem Bus sprang und verzweifelt ein Klo suchte. Details ersparen wir uns da jetzt mal, die wären nicht so schön. Am Ziel war es mir dann auch erstmal egal, wie viel, zu viel die Riksha kostet. Trotzdem nahmen wir schlussendlich den Bus nach Mcleod Ganj, wo sich das Exil der Tibetischen Regierung befindet. Ähnlich in den Bergen gelegen wie Darjeeling, ist es natürlich noch weitaus stärker Tibetisch beeinflusst. Vor jetzt 51 Jahren floh der derzeitige 14. Dalai Lama nach Indien, um aus dem Exil die Tibetische Regierung weiterzuführen. Man kann die buddhistischen Kloster besichtigen und es gibt ein wirklich gutes, wenn auch kleines Museum über die Geschichte Tibets. Außerdem arbeiten hier viele NGOs die sich um die neu ankommenden Flüchtlinge kümmern.

13. Station
Amritsar, Punjab und Haryana (3 Tage)


So langsam geht es auf das Ende unserer Reise zu. Doch vorher müssen wir nochmal die Punjabi Küche ausgiebig genießen. Das Essen was es in diesem Bundesstaat gibt, ist das, was man in indischen Restaurants in Deutschland meist als “typisch Indisch” bezeichnen. Also pikante Currys mit Paneer (eine Art Weichkäse) oder Hühnchen, Lassis, und Brotfladen, wie Naan, aus dem Tandoor. Ein paar Softwaretechniker aus Delhi hatten die Punjabs mal als die Texaner Indiens bezeichnet, da sie nicht ganz so strenge kulturelle Vorschriften haben (auch aufs Essen bezogen), sich generell nicht um so viel kümmern und auch gut trinken können.

Die Hauptattraktion in Amritsar ist, ohne Zweifel, der Goldene Tempel, der gleichzeitig auch der heiligste Ort der Sikh-Religion ist. Eine Mischung aus Hinduismus und Islam vereint sich in Religion, Bauwerken und Lebensweise der Sikhs.

14. Station
Attari, Punjab und Haryana


Jetzt ist es also raus. Für alle die es schon immer wissen wollten: Die größte Party Indiens steigt in Attari an der Wagah Border. Und das täglich! Denn hier befindet sich die indisch-pakistanische Grenze. Klingt komisch ist aber so. Die tägliche Grenzschließung ist einfach nur ein riesiges Spektakel, vor allem auf der indischen Seite. Wenn man sich jedoch überlegt, dass beide Länder faktische Atommächte mit akutem Konfliktpotenzial sind, wirkt die Zeremonie leicht unheimlich. Dennoch wurde die Menge mit lauter Bollywoodmusik angepeitscht und junge indische Frauen tanzten, bis kurz vor Anfang der Zeremonie, auf dem Grenzstreifen. Irgendwie entwickelte ich auch ein leicht patriotisches Gefühl, nur schon deshalb, da auf der “Pakistanischen-Seite” die Frauen ruhig, verhüllt in ihrer Burka saßen. Schön, dass Indien die liberalere Richtung eingeschlagen hat, dachte ich mir in diesem Moment und auf unserer 48 Stündigen Heimfahrt zurück nach Kundapur.

PS:
So paradox Indien auch ist und wie viele Hacken und Ösen es zu liefern hat; Probleme von Armut, Müll, Korrpution etc. möchte ich noch kurz mit einer kurzen Passage aus dem Buch "Notbremse nicht zu früh ziehen" von Andreas Altmann diese Reise abschließen, da ich mich jetzt auch im Zug von "Indian Railways" auf dem Weg zurück befinde:

Auf eine geheimnissvolle Weise bringt Zugfahren das Glückshormon Endorphin zum Sprudeln. Das gleichmäßige Tuckern, der einlullende Rhythmus, das immer wiederkehrende Geräusch beim Fahren über eine Weiche. Kein hektisches Bremsen, kein Lospreschen, kein Kurzatem vor jedem Überholmanöver. Der Herzschlag verlangsamt sich, wie beim Murmeln eines Mantras. Sehen die Augen dann noch Kerala-wie Goa eine Schönheitskönigin-, wird der Betrachter still und mit allen Sinnen sein unverschämtes Glück genießen: Die Abendsonne über dem Fluss, der Mann und seine Kuh beim Baden, der Schrankenwärter und seine Laterne, die Farben am Himmel, der stille Moslem vor seiner Moschee, der selige Hindu in seinem Tempelchen, der Glanz der untergehenden Strahlen über den Reisfeldern. In diesen Augenblicken wird Indien wieder Weltmeister, zeigt es in seinem glorreichsten Gesicht, jenes der Großzügigkeit, der Größe, der Lässigkeit. Bedenkt man, dass dieses Land ein Drittel mehr Einwohner als ganz Afrika hat, dann begreift man wieder, wie souverän es- trotz allem- mit seinen Problemen umgeht. Wie eine magische Kraft waltet und verhindert, dass seine Einwohner von einem Völkermord in den nächsten Taumeln. China, der Gigant im Norden, funktioniert auch. Mit Hilfe eines kolossalen Überwachungsapparates. Dort regiert die Angst. In Indien das Chaos, jene ewige Wahrheit, dass die andere Hälfte des Lebens die Unordnung ist.

Bilder Teil 3