Sie sind hier: Berichte Ravi lernt seine indische Familie kennen  
 BERICHTE
Abschlussbericht
Independence Day und letzter Schultag
Mayapur und Jaipur
Geschichten aus der Schule
TEDx Kundapur und Hochzeit
Nordindien-Trip, Teil 3
Nordindien-Trip, Teil 2
Nordindien-Trip, Teil 1
Letzter Schultag vor den Ferien
Bombay
Neues Zimmer-Neues Fahrrad-Neue Art zu Feiern
Ravi lernt seine indische Familie kennen
Schulausflug
Ein typischer Tag (3 Monatsbericht)
Wie lebt man eigentlich in...
Südindien-Trip
Tent School und Faber-Castell Kinderfonds
Die erste Woche im Projekt
Orientation Week
Durch den Monsun
Anreise
1 Woche bis Abflug
Vorbereitung in Deutschland

RAVI LERNT SEINE INDISCHE FAMILIE KENNEN
 

Hallo,

Nach knappen 20 Jahren sollte es also endlich so weit sein, dass ich meine indische Familie kennenlerne. Und da ich über Weihnachten und Neujahr Ferien hatte und auch viele meiner Verwandten nach Hause (Jaipur) kommen sollten, war der Zeitpunkt ideal. Einer meiner Cousins hatte mir sogar einen Flug organisiert und als ich in Jaipur austieg war ich sehr gespannt aber auch unsicher was jetzt passieren würde.

Mein ältester Onkel (Tauji), den ich mal gesehen hatte als ich vier war, holte mich ab und wir fuhren ins neue Haus, wo ich angeblich schon eifrig erwartet wurde. Ich hatte zu dem Zeitpunkt keine richtige Vorstellung welche Traditionen und Sitten ich beachten müsste, und wusste nur, dass ich aus Respekt die Füße meiner Ome berühren sollte. Das Gefühl dann vor allen Leuten zu stehen, alles ja Familie, war komisch und ich konnte nur ein schüchternes Lächeln und ein "Namaste" rausbringen. Als mir dann noch klargemacht wurde, wessen Füße etc. ich berühren noch sollte und nach einem kleinen Gespräch mit meiner Oma mit meinem Bruchtstück Hindi, wobei alle drum rum standen, war ich erstmal völlig fertig und verunsichert, auch wenn mich alle die ganze Zeit anlächelten.

Nach dem ersten kleinen "Schock", und der Feststellung das Nordindien im Vergleich zu Südindien doch sehr verschieden ist, stieg ich erstmal aufs Dach, schaute über Jaipur und sah überall Leute auf den Dächern die Drachen stiegen ließen.

In den nächsten zwei Wochen lernte ich dann aber Stück für Stück immer mehr Leute aus meiner Familie kennen und da sich alle immer rührend um mich kümmerten, fühlte es sich auch dann immer ein bisschen mehr an wie ein zu Hause. Mir wurde Jaipur gezeigt und jeder Tag wurde für mich organisiert, damit mir auch ja nicht langweilig wird, und ich möglichst viel sehe. In der Zeit besuchte ich auch die beiden Fabriken zwei meiner Cousins (Monu und Ashu) wovon ich auch sehr beeindruckt war, wobei alles noch von der kleinen Reise die und meine Cousins (Amit und Jitesh) nach Agra und Umgebung machten getoppt wurde.

Zum ersten Mal in Indien kam ich aber auch persönlich in einen richtigen Konflikt über meine Identität und die Fragen "Wie viel Inder bin ich und wie viel indisch will ich eigentlich sein?"

Bei meiner jüngsten Tante (Suman) wurden dann zum Beispiel auch Fotos von mir rausgekramt, als ich klein war, und ich viele meinten, dass sie dachten sie würden mich nie mehr kennen lernen. Ganz im Gegenteil wurde mir dann aber auch immer gleich nahe gelegt ich könnte jederzeit nach Jaipur ziehen und um meine indische Hochzeit würden sie sich dann natürlich auch kümmern...

Alles in allem waren die beiden Wochen sehr sehr interessant, berührend (als mich am zweiten Tag meine Oma dann richtig umarmte, war es schon echt schön), lehrreich aber auch anstrengend. Knappe 50 Leute und die verschiedenen Verwandschaften und dazugehörigen Bezeichnungen etc, anderes Essen, Wetter und Kultur haben mich verwirrt und ich war froh auf der 32 Stunden Zugfahrt zurück einfach über alles was in den zwei Wochen passiert ist nachdenken zu können. Trotzdem freue ich mich aber schon im April oder Mai, wenn hier Schulferien sind, wieder nach Jaipur zu fahren und alle wieder zu sehen.



Hier Bilder der zwei Wochen